„Angespannte Finanzlage“: Lutherischer Weltbund tagt in Genf

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Der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) tagt ab morgen in Genf unter dem Motto „Hoffnung enttäuscht nicht“. Dabei geht es um die angespannte Finanzlage, damit verbundene Sparmaßnahmen, das Selbstverständnis des Kirchenbundes und die Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017.

Der 49-köpfige Rat des Weltbundes setzt sich aus ordinierten und nicht-ordinierten Männern, Frauen und Jugendmitgliedern der Mitgliedskirchen zusammen. Dabei gilt eine Quotenregelung von 40 Prozent Frauen-, 40 Prozent Männer- und 20 Prozent Jugendbeteiligung. Vizepräsident des Bundes ist der württembergische Landesbischof Frank Otfried July (Foto, Gottfried Stoppel/EMH). Der Evangelischen Pressedienst hat ihn im Vorfeld der Tagung befragt.

Wie ist die finanzielle Situation des Lutherischen Weltbundes derzeit?

Frank Otfried July: Die finanzielle Situation ist extrem angespannt nach den Währungsaktivitäten der Schweizerischen Bundesbank. Der Schweizer Franken wurde von jetzt auf gleich um 20 Prozent aufgewertet. Das muss man erst mal verkraften. Von einem Tag zum anderen musste der Lutherische Weltbund reagieren, um die finanzielle Situation zu bewältigen: Beispielsweise mussten alle Angestellten in Genf acht Tage unbezahlten Urlaub nehmen. Andere Abschläge beim Gehalt werden folgen. Insgesamt muss darüber nachgedacht werden, wie wir den teuren Schweizer Platz weiterhin halten können oder ob über Alternativen nachgedacht werden muss. Aber in den vergangenen Jahren hat der Weltbund finanziell sehr solide gearbeitet und ist deshalb gut aufgestellt. Es wurden keine Schulden gemacht und die Zahlungsmoral der Mitgliedskirchen hat sich stetig verbessert.

In welcher Weise sollte sich der Dachverband der Lutheraner aus Ihrer Sicht am Reformationsjubiläum 2017 beteiligen? Was ist konkret geplant?

Der Lutherische Weltbund bringt sich mit drei Schwerpunkten beim Reformationsjubiläum ein. Zum einen ist ihm wichtig, dass die Reformation eine ‚Weltbürgerin‘ ist und nicht auf Deutschland beschränkt. Zum Zweiten ist ihm wichtig, dass ein Reformationsgedenken nur zusammen mit der römisch-katholischen Kirche möglich ist und zum dritten sollen konkrete Inhalte festgelegt werden für die Zukunft, damit das Jubiläum nicht rückwärtsgewandt ist. Inhalte, die den einzelnen Kirchen, auch und vor allem den Minderheitenkirchen, zugutekommen.

Sehen Sie bei diesen Plänen aufkommende Differenzen zur Linie der Evangelischen Kirche in Deutschland?

Ich sehe keinerlei Differenzen. Denn der Lutherische Weltbund agiert weltweit und die EKD plant ja ihre Aktivitäten vor allem in Deutschland. Also keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Schön und angemessen finde ich es, dass die Ratstagung im nächsten Jahr bewusst in Wittenberg abgehalten wird. Da ist dann Gelegenheit, die deutsche Sicht der Reformation deutlich werden zu lassen und den internationalen Gäste vom Rat zu zeigen, wo die Stätten der Reformation liegen, welche Programme deutsche Kirchen für die Zukunft planen und wie Kirche in Deutschland „funktioniert“. Für mich besonders wichtig dabei ist auch unser selbstverständliches Zusammenspiel von verfasster Kirche und Diakonie.

Die Fragen stellte Barbara Schneider (epd)
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Der Lutherische Weltbund ist eine Gemeinschaft von 144 lutherischen Kirchen in 79 Ländern. Ihm gehören rund 72 Millionen Mitglieder an.

(Quelle:epd)

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