Mysterium Briefwahl: Anteil der Freiheitlichen um ein Viertel niedriger

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Quelle: Unzensuriert

FPÖ-Spitzenkandidat HC Strache bei der Stimmabgabe. An den Wahlurnen wählten wesentlich mehr Wiener freiheitlich als per Brief. Foto: NFZ

FPÖ-Spitzenkandidat HC Strache bei der Stimmabgabe. An den Wahlurnen wählten wesentlich mehr Wiener freiheitlich als per Brief.
Foto: NFZ

Von insgesamt 832.981 bei der Wien-Wahl gültig abgegebenen Stimmen kamen 157.017 oder 18,85 Prozent mittels Wahlkarte. Man sollte annehmen, dass eine Umfrage unter 18,85 Prozent der Wahlberechtigten ein Ergebnis bringen sollte, das dem Gesamtergebnis sehr nahe kommt. Näher jedenfalls als alle Umfragen, die mit einem Sample von oft nur 400 im Vorfeld der Wahlen durchgeführt werden. Doch die Realität sieht ganz anders aus.

Am Sonntagabend stand es nach Auszählung der direkt in die Urnen geworfenen Stimmen so: 39,42 Prozent wählten die SPÖ, 32,22 Prozent die FPÖ, 8,72 Prozent die ÖVP, 11,16 Prozent die Grünen und 5,97 Prozent die Neos.

Nur 24,62 Prozent für FPÖ unter Briefwählern

Dann kamen die Wahlkarten und hier sieht die Verteilung – mit Ausnahme des SPÖ-Ergebnisses – völlig anders aus: Die SPÖ erhielt 40,33 Prozent (0,91 % mehr als bei den Nicht-Briefwählern), die FPÖ hingegen nur 24,62 Prozent (minus 7,6 %). Dafür erhöhte sich der Stimmanteil für die ÖVP auf 11,48 Prozent (+ 2,77%), für die Grünen auf 14,76 Prozent (+3,59%) und für die Neos auf 6,98 Prozent (+1,02 %).

Die dadurch hervorgerufenen Mandatsverschiebungen waren nicht allzu groß. Ein Sitz wanderte von der FPÖ zu den Grünen. Wesentlich schmerzhafter ist für die FPÖ jedoch der Verlust des am Wahlabend errungenen Bezirksvorsteher-Postens in Floridsdorf, wo die SPÖ von den Briefwahlstimmen enorm profitiert haben dürfte.

Grüne und ÖVP mit mehr als 30 Prozent relativem Plus bei Briefwählern

Relativ zum vorläufigen Endergebnis ohne Wahlkarten nimmt sich der Unterschied noch viel dramatischer aus: Die SPÖ erhielt bei den Briefwählern um 2,32 Prozent mehr als bei den Wahllokal-Wählern, die ÖVP sogar um 31,73 und die Grünen um 32,18 Prozent mehr. Auch die Neos profitierten relativ gesehen mit 17,04 Prozent stark. Einziger Verlierer sind die Freiheitlichen mit einem relativen Minus von 23,59 Prozent.

Erklärbar sind solche enormen Unterschiede nur, wenn der Anteil der beantragten Wahlkarten in den starken Sprengeln von ÖVP, Grünen und Neos tatsächlich höher, der in den starken Sprengeln der FPÖ niedriger ist als im Durchschnitt.

Neue Nahrung für Wahlbetrugs-Spekulationen

Jedenfalls gibt die enorme Abweichung Spekulationen über Wahlbetrug weitere Nahrung. Die FPÖ hatte bereits im Vorfeld eine Belohnung von 5.000 Euro für sachdienliche und zur Verurteilung von verantwortlichen führende Hinweise ausgesetzt.  Die Grünen hatten das Thema aufgegriffen als sie noch in der Oppostion waren. So etwa 2010, dass in Pflegeheimen Wahlkarten für schwer Demenzkranke bestellt worden seien.

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