„Die Macht der Kirche brechen“: Stasi trieb Einführung der Jugendweihe in der DDR massiv voran

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Das DDR-Ministerium für Staatssicherheit hatte nach Erkenntnissen des Kirchenhistorikers Markus Anhalt einen enormen Einfluss auf die Durchsetzung der Jugendweihe in den 1950er Jahren. Als erklärtes „Schild und Schwert“ der Partei habe die Stasi all ihre Macht genutzt, um die staatlichen Ziele zu erreichen. Dazu gehörte auch die gezielte Diffamierung von Pfarrern.

Und das durchaus mit Erfolg: Innerhalb von nur fünf Jahren, zwischen1954 und 1959, habe sich die Jugendweihe etabliert. Die Beteilgung stieg von 17 Prozent im ersten jahr auf über 80 Prozent 1959. Es gab „etliche Fälle massiver Beeinflussung von Geistlichen“, erklärte der Mitarbeiter der Stasi-Unterlagen-Behörde in Leipzig. Die Staatssicherheit habe „aus dem Vollen geschöpft, aus der gesamten Bandbreite ihrer Möglichkeiten zu dieser Zeit“, fügte Anhalt hinzu.

Eine der Methoden sei zum Beispiel gewesen, Einwohnerversammlungen einzuberufen, in denen der Staat über die Jugendweihe informierte. „Zum Schluss sollte dabei der Geistliche immer schlecht dastehen und oft forderte dann eine zuvor heimlich festgelegte Gruppe seine Versetzung“, erklärte Anhalt. In anderen Fällen seien die Pfarrer, die sich gegen die Jugendweihe engagiert hatten, persönlich diffamiert worden.

„Die Gegner mundtot machen“

Mit Hilfe der Jugendweihe habe der Staat den Einfluss der Kirche zurückdrängen wollen, erläuterte Anhalt. „Konfirmationsvorbereitungen gaben den Seelsorgern die Möglichkeit, auf die Jugendlichen Einfluss zu nehmen – natürlich im Sinne der Kirche und nicht im Sinne der SED. Dieses Monopol wollte man übernehmen und für eigene Propaganda nutzen.“ Obgleich die Mitarbeiter der Staatssicherheit oft kaum Ahnung von Kirche hatten und teils dilettantisch vorgingen, sei es ihnen meist gelungen, „ihre Gegner mundtot zu machen“, sagte Anhalt.

Seine Erkenntnisse zu der Rolle der Stasi bei der Durchsetzung der Jugendweihe in der DDR hat der Kirchenhistoriker in einer neuen Publikation festgehalten. Sie trägt den Titel „Die Macht der Kirchen brechen“ und wird am Freitagabend, im Rahmen des 100. Deutschen Katholikentages, erstmals in Leipzig vorgestellt.

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