Dänischer „Jägerskandal“ erstmals auf Deutsch: Supersoldat schildert Ausbildung und Einsätze

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Quelle: Unzensuriert

Obwohl die Fakten aus Rathsacks Buch auch im Internet zu finden waren, wollte ihn die dänische Regierung wegen "Geheimnisverrats" anklagen. Foto: unzensuriert.at

Obwohl die Fakten aus Rathsacks Buch auch im Internet zu finden waren, wollte ihn die dänische Regierung wegen „Geheimnisverrats“ anklagen.
Foto: unzensuriert.at

Wir kennen Jean Paul Belmondo als „Profi“, Sylvester Stallone als „Rambo“, Clint Eastwood „In the line of fire“, Bruce Willis in „Stirb langsam“ – aber nur die wenigsten von uns würden sich jemals vorstellen, so zu sein – oder besser: so sein zu können. Alles schön und gut – aber letztlich doch nur gut gemachtes Hollywood-Matscho-Getöse? – Nein, die „Profis“ gibt es wirklich, wenn auch meist im Hintergrund. Und sie könnten in jedem der genannten Filme locker mitspielen.

Berufswunsch schon als Kind: „Superheld“

Der Däne Thomas Rathsack wollte von Kind auf ein „Superheld“ werden. Er besuchte zwar normal die Schule, trainierte aber nebenbei dermaßen effektiv, dass er als Jugendlicher bei „Tagen der offenen Tür“ in der Armee bereits ausgebildete Soldaten in Leistungsbewerben übertrumpfte. Irgendwann war er dann selbst Soldat und arbeitete konsequent auf sein Ziel hin.

In zäher, jahrelanger Aufbauarbeit schaffte er es, irgendwann im elitären „Jaegerkorpset“, dem Jägerkorps der dänischen Streitkräfte, zu landen, einer Spezialeinheit, vergleichbar mit dem britischen SAS (Special Air Service), den US Seals, dem deutschen KSK (Kommando Spezialkräfte) oder dem österreichischen Jagdkommando.

Folter-Verhöre für die Besten der Besten

Schon der Weg zu den Jägern innerhalb der Armee war ein extrem harter, wo von hunderten Bewerbern nur eine Handvoll für die Endauswahl übrig blieb. Doch dann fingen die Entbehrungen erst richtig an. Die künftigen Rambos mussten lernen, ihren Körper und Geist selbst in extremsten Situation absolut im Griff zu haben. Selbst ihr Verhalten als Gefangene in folterartigen Verhörsituationen wurde getestet – praktischerweise von ausländischen Profis, damit man keine Feindschaften zu späteren Kameraden aufbaut. Auch hier schieden etliche aus, wurden fast verrückt.

Zum „Drüberstreuen“  kamen Ausbildung als Kampfschwimmer mit täglichen Übungsradien von bis zu 45 Kilometern im Wasser oder Fallschirmsprüngen aus 9.000 Metern Höhe bei Tag und Nacht. Die Begriffe Schmerz, Angst, Unsicherheit oder Untätigkeit existieren in der Welt der Jäger nicht.

Einsatz in internationalen Eingreiftruppen

Doch die wahren Herausforderungen erreichten die Jäger erst in scharfen, internationalen Einsätzen, etwa in Afghanistan oder im Irak ab der Jahrtausendwende, als die USA begannen, Saddam Hussein zu vernichten und in Afghanistan nach dem Abzug der Sowjets die von den USA ausgerüsteten Taliban mit Gewalt begannen, einen „Gottesstaat“ zu errichten. Dazu kam die Al-Quaida, denen die Anschläge vom 9. September 2011 auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon nachgesagt wurden.

Mit 60 Kilo Rücken-Gepäck im Taliban-Gebirge

So wurde Rathsack einer Aufklärungseinheit tief im Hinterland der Taliban an der afghanisch-pakistanischen Grenze zugeteilt, die Versorgungsrouten der Islamisten beobachten sollten. Mit dem Hubschrauber abgesetzt, zehn Tage in einer Höhe von 4.000 Metern im Gebirge auf sich allein gestellt, war schon die Versorgungslogistik eine Herausforderung, denn jeder der sechs Spezialisten musste einen Rucksack von 60 Kilo mit Verpflegung, Wasser, Munition, Ausrüstung und Waffen mit sich tragen. Und durfte keine Spur hinterlassen. Sogar die Ausscheidungen mussten in speziellen Säcken gesammelt werden.

Botschafter-Leibwächter in der gefährlichsten Stadt der Welt

Als Personenschützer für den dänischen Botschafter im Irak verbrachte der 1,83 Meter große Profi mit seinen Kameraden viele Monate in der gefährlichsten Stadt der Welt, in Bagdad, wo Bombenattentate ebenso zum Alltag gehören wie der Beschuss der „grünen Zone“, wo Diplomaten und Politiker leben, mit Raketen. Allein die geschilderte Fahrt zum Bagdader Flughafen mit schwer bewaffneten Geländewagen böte Stoff für einen James Bond-Film, weil Terroristen mit Bomben bestückte menschliche Leichen, Tierkadaver, Brücken oder Granatwerfer dazu nutzen, auf der Flughafenautobahn alles westlich oder „ungläubig“ anmutende zu töten.

Elf Jahre ohne Familie, Privatleben oder Entspannung

Platz für Familie oder längere Beziehungen war in diesem Leben naturgemäß keiner. Die Kameraden, die Kasernen, Bunker, Zelte oder Fels-Stellungen waren Heimat der Elite, Urlaube selten und kurz.

Insgesamt elf Jahre verbrachte Rathsack aus Überzeugung und, wie er sagt, Berufung in diesem Milieu. Als sein Körper begann, langsam die Rechnung für die vielen Strapazen vorzulegen, kehrte er 2008 nach Dänemark zurück und wurde hinter einen Schreibtisch verbannt, was ihm wenig Freude bereitete.

Armee sieht Buch als „Geheimnisverrat“

Und so begann der Soldat mit Leib und Seele ein Buch über seine Einsätze als Elitesoldat zu schreiben. Er hatte allerdings die Rechnung ohne den Wirt, die dänische Regierung und das Militärkommando, gemacht. Die sahen in seinen Ausführungen „Landesverrat“ und „Verrat militärischer Geheimnisse“. Besonders seine abenteuerlichen Einsatzschilderungen zum Schutz eines Geheimagenten in einer afghanischen Großstadt, wo die Jäger mit dunkel gefärbten Haaren, Rauschbart und kugelsicherer Weste unter dem Paschtunen-Gewand ihre meist nächtlichen Einsätze durchführten, erregten die Armee-Gemüter.

„Jäger-Affäre“ kostet sogar Verteidigungsminister den Posten

Es kam sogar so weit, dass im Internet plötzlich eine arabische Übersetzung des Buches auftauchte (die wohl den Taliban nützen sollte), die sich bei näherer Betrachtung als schlechte Computer-Übersetzung aus den Händen eines Armee-Mitarbeiters entpuppte, der damit Rathsack schaden wollte.

Die Medien spielten verrückt, und Dänemark erzitterte 2009 unter der sogenannten „Jäger-Affäre“. Letztlich traten der Armee-Kommandant und der Verteidigungsminister zurück. Die schweren Vorwürfe gegen Rathsack wurden vom Militärgericht schließlich fallen gelassen, dennoch wollte die Armee ihm ein Disziplinarverfahren anhängen.

Streitkräfte verlieren ihren Helden

Und so verloren die dänischen Streitkräfte einen ihrer engagiertesten, loyalsten, erfahrensten und fähigsten Elitesoldaten, der mit seinem Buch zudem eine wahre Bewerbungs-Orgie begeisterter junger Männer aus dem In- und Ausland beim Jägerkorps ausgelöst hatte.

Immerhin – der Skandal hatte für den Autor auch sein Gutes: Rathsack verkaufte bereits im ersten Jahr sagenhafte 250.000 Exemplare des Buches, das nicht nur in Dänemark, sondern auch bei den skandinavischen Nachbarn zum Verkaufsschlager wurde. Nun liegt erstmals die deutsche Übersetzung vor.

Thomas Rathsack: Jäger – Meine Kriegseinsätze als Elitesoldat.
Das Buch kann zum Preis von € 20,60 über buecherquelle.at bezogen werden

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