Libyens Machthaber: Gaddafi warnt Europa vor „Katastrophe“

Gepostet am

Quelle: Spiegel

Muammar al-Gaddafi droht den westlichen Mächten: Sollte die Nato ihre Angriffe nicht einstellen, könnte das katastrophale Folgen haben. In einer Telefonansprache erklärte der Despot laut der Nachrichtenagentur AP, er könne „den Kampf auch nach Europa bringen“.

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DPA

Libyscher Machthaber Gaddafi: „Flugzeuge am Boden lassen“

Tripolis – Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi hat sich per Telefon an seine Anhänger gewandt – und Drohungen gegen die Nato und ihre Verbündeten ausgesprochen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP schloss er auch Angriffe in Europa nicht aus, sollten die Luftschläge auf die libysche Armee nicht eingestellt werden.

„Wir raten euch, abzuziehen – bevor es eine Katastrophe gibt“, sagte Gaddafi in Richtung der westlichen Streitkräfte. Die Alliierten sollten ihre Flugzeuge am Boden lassen und stattdessen den Dialog mit Libyen suchen, so Gaddafi weiter. Die Rede wurde über Lautsprecher an Tausende Libyer übertragen, die sich in Tripolis versammelt hatten.

Wenn die Angriffe nicht eingestellt würden, „können wir beschließen, euch ähnlich zu behandeln“, so Gaddafi weiter. „Wenn wir es beschließen, können wir ihn (den Kampf) auch nach Europa bringen“, zitiert ihn AP. Dort könne man Familien, Häuser und Büros angreifen – genauso, wie es die Nato derzeit in Libyen tue. „Wenn wir uns dazu entscheiden, können wir wie Heuschrecken nach Europa ziehen, wie Bienen“, so Gaddafi laut AP weiter. Seinen eigenen Rückzug schloss der 69-Jährige erneut kategorisch aus.

Im Laufe seiner wirren Ansprache bezeichnete Gaddafi den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und den französischen PräsidentenNicolas Sarkozy jeweils als „mein armer Freund“ – US-Präsident Barack Obama nannte er „meinen Sohn“.

Anklage aus Den Haag gegen Libyens Diktator

Seit rund hundert Tagen fliegt die Nato Angriffe gegen das Regime von Libyens Machthaber, auch in dieser Woche wurden nach Angaben der staatlichen libyschen Nachrichtenagentur Ziele in der Hauptstadt des nordafrikanischen Landes bombardiert – offenbar kämpfen sich jetzt auch die Rebellen Richtung Tripolis vor.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hatte Anfang der Woche Haftbefehle gegen Gaddafi und zwei seiner engsten Verbündeten erlassen. Dem libyschen Staatschef sowie seinem Sohn Saif al-Islam und seinem Schwager, dem Geheimdienstchef Abdullah Sanussi, werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Darunter sind Morde an Hunderten Zivilisten, Folter, die Verfolgung unschuldiger Menschen und die Organisierung von Massenvergewaltigungen zur Einschüchterung der Bevölkerung.

Saif al Islam Gaddafi, hat inzwischen Vorwürfe zurückgewiesen, nach denen er und sein Vater die Tötung von Zivilpersonen befohlen haben sollen. In einem Interview des russischen Nachrichtensenders RT erklärte der Diktatoren-Sohn, Demonstranten seien ums Leben gekommen, als sie versucht hätten, Militäranlagen zu stürmen. Die Wachleute hätten nur auf sie geschossen, um sich zu verteidigen, so Saif al Islam Gaddafi.

jok/dapd/Reuters

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