Indonesien: Islamisten-Protest gegen christlichen Gouverneur

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In Indonesien werden an diesem Freitag Massenproteste von Islamisten gegen den christlichen Gouverneur der Hauptstadt Jakarta erwartet. Radikale Muslime werfen Basuki Tjahaja Purnama vor, den Islam beleidigt zu haben, und äußerten sogar Todesdrohungen.

Der unter seinem Kurznamen „Ahok“ bekannte Politiker kam 2014 ins Amt, nachdem sein Vorgänger Joko Widodo zum Präsidenten gewählt worden war. Mehr als 20.000 Sicherheitskräfte sollen am Freitag im Einsatz sein. Präsident Widodo rief zur Gewaltlosigkeit auf. Menschenrechtler warnen vor wachsender religiöser Intoleranz in Indonesien. Rund 88 Prozent der 250 Millionen Einwohner sind Muslime. Fundamentalisten bildeten bisher eine kleine Minderheit.

Schon bald nach seinem Amtsantritt sei Ahok ins Visier muslimischer Hardliner geraten, sagte Andreas Harsono, Indonesien-Experte von „Human Rights Watch“. Die Gründe dafür seien einzig Ahoks Glaube und seine chinesischen Wurzeln gewesen. Ahok muss sein Amt derzeit ruhen lassen, da er im Februar zur Gouverneurswahl antritt.

Verhaftung wegen „Blasphemie“ gefordert

Der Anlass für die jetzige Entrüstung der radikalen Muslime ist eine Rede, in der Ahok die 51. Sure des Korans erwähnte. Sie wird so interpretiert, dass es Muslimen verboten ist, Nicht-Muslime zu wählen. Ahok sagte laut Medienberichten, die Wähler bräuchten sich nicht unbehaglich zu fühlen, falls sie nicht für ihn stimmten aus Angst, in die Hölle zu kommen, da sie getäuscht würden. Später entschuldigte er sich für seine Äußerungen.

Islamisten aber fordern die Verhaftung Ahoks wegen Blasphemie. Die radikale „Islamic Defenders Front“ drohte andernfalls mit seiner Ermordung. Laut der Zeitung „Jakarta Globe“ waren außerdem Fotos mit Drohungen wie „Verhaftet Ahok“ und „Ahoks Sarg“ von einer in Syrien ansässigen radikalen Gruppe im Internet aufgetaucht.

Jahrzehntelang sei das Blasphemiegesetz in Indonesien von 1965 kaum angewandt worden, sagte der Menschenrechtler Harsono. Unter der Suharto-Diktatur (1965-1998) war dies nur acht Mal der Fall. Dagegen habe es während der Amtszeit des demokratisch gewählten Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono (2004-2014) mehr als 250 Fälle gegeben. Sollte Ahok vor Gericht gestellt und seine Gouverneurs-Kandidatur annulliert werden, verliere Indonesien seine Berechtigung, als moderates muslimisches Land zu gelten, sagte Harsono.

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