Österreichischer Presserat: Checkliste für „verantwortungsvolle“ Flüchtlingsberichterstattung

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Quelle: Unzensuriert

Österreichischer Presserat fühlt sich als moralische Instanz dazu berufen, darauf hinzuweisen, wie ein Journalist über Flüchtlinge berichten soll. Die meisten weniger gelesenen Zeitungen machen das schon längst „richtig“. Foto: Alexander Barth from Washington DC / Wikimedia (CC BY 2.0)

Österreichischer Presserat fühlt sich als moralische Instanz dazu berufen, darauf hinzuweisen, wie ein Journalist über Flüchtlinge berichten soll. Die meisten weniger gelesenen Zeitungen machen das schon längst „richtig“.
Foto: Alexander Barth from Washington DC / Wikimedia (CC BY 2.0)

Der Österreichische Presserat ist ein Trägerverein, und die Trägervereine dieser Organisation sind folgende: der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ), der Österreichische Gewerkschaftsbund, vertreten durch Journalistengewerkschaft in der GPA-DJP, der Österreichische Zeitschriften- und Fachmedienverband (ÖZV), der Verband der Regionalmedien Österreichs (VRM), der Verein der Chefredakteure sowie der Presseclub Concordia (PCC). (Also das Who ´s Who der österreichischen Systemmedien.)

„Missstände“ im Pressewesen entgegenwirken

Und dieser Presserat sieht sich dazu berufen, die Pressefreiheit zu gewährleisten, weswegen es ihm notwendig erscheint, Missstände im Pressewesen aufzuzeigen und diesen entgegenzuwirken.

Damit allerdings die Pressefreiheit nur so frei ist, wie es dem Presserat passt, hat er aus aktuellem Anlass eine sogenannte Checkliste herausgegeben. Diese behandelt das Thema Flüchtlinge und soll die Journalisten dazu anleiten, im Sinne des Presserates über diese Personen zu berichten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Presserat einschreitet und eine Rüge setzt.

Leitfaden für Journalisten im Sinne des Presserats

Diese Checkliste namens „Verantwortungsvoller Journalismus in der Flüchtlingsberichterstattung“ nun im Detail:

Würde ich über ein Fehlverhalten auch dann berichten, wenn es nicht von einem Ausländer/Asylwerber/Migranten gesetzt worden wäre?

Habe ich das Thema ausreichend recherchiert, gehen meine Quellen über bloße (Internet-)Gerüchte hinaus?

Können Vorurteile überhaupt verstärkt werden?

Habe ich jene Fakten präsentiert, die für eine umfassende und ausgewogene Darstellung meines Themas notwendig sind?

Habe ich geprüft, ob durch meine Berichterstattung/meine Wortwahl/meine Fotoauswahl Vorurteile verstärkt werden?

Informationen weglassen empfohlen

Habe ich geprüft, ob ich Informationen, die Vorurteile schüren könnten, weglassen kann, ohne den Sinn und den Wahrheitsgehalt der Geschichte zu verändern oder das Verständnis der Leserinnen und Leser zu beeinträchtigen?

Journalisten sollte Herkunft lieber verschweigen

Habe ich geprüft, ob bestimmte Informationen nicht andere Absichten konterkarieren (zum Beispiel keine Nennung von Herkunft, aber Nennung eines auf einen Ausländer deutenden Vornamens)? Anmerkung: Die bloße Nennung der Herkunft eines (mutmaßlich) straffällig gewordenen Ausländers/Asylwerbers/Migranten ist nach der gängigen Praxis der Senate des Presserats kein Ethikverstoß. Dennoch sollten Journalisten abwägen, ob es im konkreten Fall für das Verständnis der Leserinnen und Leser erforderlich ist, die Herkunft anzuführen.

Nicht über einen moslemischen Täter schreiben, damit sich andere Moslems nicht beleidigt fühlen

Habe ich überlegt, ob durch meine Berichterstattung/meine Wortwahl/meine Fotoauswahl jemand gekränkt oder beleidigt werden könnte?

Bin ich mir im Klaren darüber, welche Absichten meine Hinweisgeber/Recherchequellen verfolgen?

Kann ich zu dem Thema ein Internet-Forum eröffnen, ohne befürchten zu müssen, dass die Diskussion entgleist?

Bin ich sicher, dass ich keine außerjournalistischen Gründe habe, ausgerechnet dieses Thema aufzugreifen?

Wem diese Anleitungen noch nicht genügen, um seinen Job in der System-Presse im Sinne gutmenschlicher Verhüllungs- und Verschleierungstaktik zu machen, dem seien noch die „freiwilligen“ Selbstbeschränkungen im Ehrenkodex für die österreichische Presse empfohlen.

Anmerkung

Nicht zu den teilnehmenden Medien im Presserat gehört neben Unzensuriert.at auch die auflagenstärkste österreichische Tageszeitung Neue Kronen Zeitung, die immer wieder ins Visier des Presserates geraten ist. Allerdings lässt sich die Krone bis heute nicht davon beeinflussen, was sich auch in der beeindruckenden Leserzahl niederschlägt.

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